Es war 7:12 Uhr am sechsten Geburtstag meiner Tochter, als ich im Schlafanzug in der Küche stand und feststellte, dass wir zwar sechs Kerzen hatten, aber keine einzige Tüte Gummibärchen im Haus. Um 15 Uhr sollten acht Kinder klingeln. Mein Mann sagte den Satz, den man in solchen Momenten wirklich nicht hören will: “Ich dachte, du hast das besorgt.” Ich habe dann in Jogginghose beim Bäcker, an der Tankstelle und in einem Drogeriemarkt eingekauft, habe für drei traurige Tütchen Werbegeschenk-Kram gefühlt ein Vermögen bezahlt und geschworen: nie wieder. Seitdem plane ich Kindergeburtstage wie andere Leute Umzüge, und ehrlich, es hat mein Leben verändert.
Das Herzstück ist bei uns inzwischen die Süßigkeiten-Liste, die ich etwa zwei Wochen vor dem Geburtstag schreibe. Da kommt alles drauf, was gebraucht wird: die Naschsachen für den Tisch, die Füllung für die Mitgebsel-Tüten, die Preise für die Spiele und die Schokolinsen für den Kuchen. Wenn ich das früh genug mache, kann ich in Ruhe vergleichen und bei Angeboten zuschlagen, statt am Vortag zu nehmen, was das Regal noch hergibt. Der Unterschied ist enorm. Für die letzte Party habe ich für zehn Kinder rund 25 Euro für Süßes ausgegeben. Beim Panik-Einkauf damals waren es fast 50, für weniger.
Einen großen Teil bestelle ich mittlerweile online, meist zusammen mit einer Freundin, deren Sohn im selben Monat Geburtstag hat, dann lohnt sich die Lieferung doppelt. Spezialisierte Online-Supermärkte für Süßigkeiten und Getränke haben oft genau die Großpackungen und Einzelpäckchen, die man für Mitgebsel braucht und im Laden ewig sucht, wer mag, kann mehr erfahren und sich selbst ein Bild machen. Das Paket kommt ein paar Tage später, ich packe alles in eine Kiste in den Keller, und am Geburtstagsmorgen trinke ich tatsächlich in Ruhe einen Kaffee. Allein dafür hat sich die Umstellung gelohnt.
Beim Thema Candy-Buffet habe ich übrigens dazugelernt. Früher habe ich alles in großen Schüsseln auf den Tisch gestellt, mit dem Ergebnis, dass zwei Kinder nach zwanzig Minuten grün im Gesicht waren und der Rest sich um die letzten Colafläschchen stritt. Heute portioniere ich vor: kleine Becher oder Muffinförmchen, für jedes Kind eins, mit einer bunten Mischung. Das sieht hübsch aus, jeder bekommt das Gleiche, und die Menge bleibt vernünftig. Als Faustregel reichen pro Kind eine gute Handvoll Süßes plus Kuchen und ein herzhafter Snack wie Brezeln oder Käsewürfel völlig aus. Die Kinder sind dort zum Spielen, nicht zum Wettessen, auch wenn manche das anders sehen.
Ein Punkt, der bei aller Planung gerne untergeht: Allergien und Unverträglichkeiten. Ich frage inzwischen bei der Einladung immer kurz die Eltern, ob es etwas zu beachten gibt. Fast jedes Mal kommt etwas zurück, ein Kind verträgt keine Nüsse, eins keine Kuhmilch, eins isst aus religiösen Gründen keine Gelatine. Wer das erst am Partytag erfährt, steht wieder hektisch im Supermarkt. Wer es zwei Wochen vorher weiß, bestellt einfach ein paar vegane Fruchtgummis und eine nussfreie Schokolade mit und stellt sie kommentarlos mit auf den Tisch. Das betroffene Kind fühlt sich nicht als Sonderfall, und die Eltern sind beim Abholen rührend dankbar. Wichtig nur: Packungen aufheben oder abfotografieren, damit man im Zweifel die Zutatenliste zeigen kann.
Die Mitgebsel-Tüten sind mein zweites Lieblingsthema, weil man da so leicht in die Falle tappt. Der kleine Plastikkram, der nach einem Tag kaputt ist, kostet einzeln gekauft schnell 4 bis 5 Euro pro Tüte und landet doch nur im Müll. Meine Formel inzwischen: zwei, drei Süßigkeiten, eine Kleinigkeit zum Spielen wie Seifenblasen oder Flummi, vielleicht ein Tattoo. Wenn ich die Sachen als Großpackung bestelle, komme ich auf unter 2 Euro pro Tüte, und die Kinder freuen sich genauso. Ein Trick aus unserer Kita-Elterngruppe: Die Schatzsuche am Ende der Party füllt die Tüten gleich mit, dann ist das Mitgebsel Teil des Spiels und kein Abschiedsgeschenk aus schlechtem Gewissen.
Getränke plane ich mit einem halben Liter pro Kind, bei einer Sommerparty im Garten eher mehr. Wasser und eine Saftschorle reichen völlig, die aufgeregten Gesichter werden auch ohne Cola nicht müder. Und weil ich einmal mit neun durstigen Kindern und einer einzigen Flasche Apfelsaft dastand, gilt bei uns: lieber eine Flasche zu viel im Keller als eine zu wenig am Tisch. Was übrig bleibt, wird ohnehin getrunken, Vorräte in dieser Kategorie sind nie verschwendet.
Wenn ich heute an diesen Morgen in der Jogginghose zurückdenke, muss ich fast lachen, damals war mir eher nach Weinen. Der eigentliche Gewinn der Vorausplanung ist nämlich gar nicht das gesparte Geld, obwohl das auch schön ist. Es ist die Ruhe. Am letzten Geburtstag habe ich vormittags mit meiner Tochter Girlanden aufgehängt, statt durch die Stadt zu hetzen, und sie erzählt heute noch davon, wie wir zusammen die Becher gefüllt haben. Die nächste Party ist übrigens schon in Planung, das Motto steht, die Liste hängt am Kühlschrank. Und die Gummibärchen, die stehen diesmal seit letzter Woche im Keller.




