Kinderglück – Der Familienblog

Wochenend Mutter

„Eine Wochenendmutter? Wie kann eine Mutter ihre Kinder beim Vater lassen?“ 

Dieser Meinung war ich bis ich den Artikel von Tina gelesen habe, er hat mich sehr berührt und mich zum Nachdenken bewegt…

Tina ist 37 Jahre und Mutter von zwei Mädchen im Alter von fast 4 und 6 Jahren.
Außerdem ist sie gelernte Steuerfachangestellte, Bilanzbuchhalterin und Bloggerin.
Auf ihrem Blog Vomwerdenzumsein schreibt Tina über ihre Kindheit, steuerliches und Auszüge aus ihrer Gedankenwelt und auch immer mal wieder etwas gesellschaftskritisches wie ihr letzter Artikel „Wochenend Mutter“.

Nach der Trennung von ihrem Partner, welcher auch der Vater der Kinder ist, leben die Kinder weiterhin bei ihm…
Ihre Gedanken dazu hat sie in einem Blogartikel festgehalten.

Hier ein Ausschnitt:
“ Vor ein paar Tagen musste ich mir anhören, dass ich meine karmischen Aufgaben verletze. Dass ich einen Fehler gemacht hätte und sehen sollte, dass ich diesen wieder bereinige. Dass ich mich meiner Pflichten beugen müsse und das Gesetz nicht brechen dürfe.

Zugegebenermaßen mag das eine ungewöhnliche Meinung sein, aber es ist nicht die einzige. Wozu? Dazu, dass sich ein Paar trennt und die Kinder beim Vater leben. Konkreter müsste man es wohl so formulieren: Dass ein Paar sich trennt und die Kinder nicht bei der Mutter bleiben.

In vielen Ehen oder Lebensgemeinschaften ist es gar keine Frage, wo die Kinder bleiben, bei uns war es eine. Die Kinder leben weiterhin in ihrer gewohnten Umgebung beim Vater. Sie wohnen bei einem Elternteil, der sie ebenso liebt, wie ich es tue. Es war eine Entscheidung, die möglich war, weil wir diese Option überhaupt in Betracht zogen. Wir machen etwas, das in vielen Familien täglich gelebt wird und vollkommen normal ist, nur umgekehrt.

Vor einigen Monaten waren wir auf einer Hochzeit eingeladen. Meine Große (5) fragte mich, was Heiraten ist und warum man das macht. Ich erklärte ihr, dass wenn man sich ganz narrisch lieb hat und für immer zusammenbleiben will, heiraten kann. Sie stellte mir darauf hin drei spannende Fragen:

Können auch Männer heiraten? Können auch Frauen heiraten? Wollen Papa und du auch für immer zusammenbleiben?

Mich rühren diese Fragen, sind sie Ausdruck eines völlig freien Geistes. Ohne Vorurteile und ohne Druck. Ohne Scham. Ohne Grenzen. Ich bin sehr stolz auf diesen kleinen Geist, der solche klugen Fragen stellen kann. Dass es überhaupt Fragen sind. Und es macht mich traurig, dass diese Freiheit mit der Zeit eng wird, sogar scheinbar unmöglich.

Vor kurzem las ich in der Nido einen Artikel über eine Wochenendmutter. Die Nido leitete statistisch ein: “Kinder von getrennten Eltern leben in neun von zehn Fällen bei der Mutter – auch weil ein anderes Modell auf zu viel Widerstand stößt?” In dem Artikel geht es um eine Mutter, die ihr Kind “nur” am Wochenende sieht, weil es beim Vater aufwächst. So hat das Paar entschieden, als es sich trennte. Die Mutter berichtet darüber, wie die Gesellschaft auf sie reagiert und ich kann diese Reaktionen nachvollziehen, weil sie auch mir begegnen.

Wir streben nach Gleichberechtigung auf so vielen Ebenen und wollen Vereinbarkeit mit der Aufgabenteilung zwischen beiden Elternteilen erreichen. Der Vater soll an der Familienarbeit teilhaben, es wird kritisiert, dass viele Väter nur die Minimum-Zwei-Monate Elternzeit nehmen und betont, dass Mütter weiterhin die Hauptleistenden in der Familienarbeit sind, auf Karriere (was auch immer das für den einzelnen bedeuten mag) und Rente verzichten und … .

Dass Kinder von getrennten Eltern nur in einem von zehn Fällen bei den Vätern aufwachsen, kann man als Kritik an die Väter deuten, aber mittlerweile habe ich den Verdacht, dass unsere Gesellschaft zudem schlicht und ergreifend nicht soweit ist. Zudem, nicht hauptsächlich. Die Gründe sind sicherlich vielschichtig.

Ich finde es überflüssig, erwähnen zu müssen, dass ich meine Kinder liebe, aber ich werde das dennoch dem folgenden Absatz voran stellen. Ich liebe sie. Sehr. Es sind beides Wunschkinder, von Herzen und mit vollster Ungeduld und Planung erwartet und sehr ge- und erwünscht.

Mir ist diese Entscheidung nicht leicht gefallen, auch wenn mir das unterstellt wird, weil es dann wohl leichter fällt, zu begreifen, dass eine Mutter “so etwas” tun kann. An dem Abend, als ich endgültig in meinem Auto saß, ohne die Kinder und zu meiner neuen Wohnung fuhr, hat es mich schier zerissen. Ich fuhr dahin und schrie und schrie und schrie, dass mir selbst die Ohren klingelten. Das letzte Mal, dass ich mich so hörte, war bei der Geburt meiner Kinder. Ich erlaubte mir nicht, rechts ran zu fahren und völlig auszurasten, weil ich Angst hatte, mich davon so schnell nicht wieder zu erholen. So fuhr ich weiter und irgendwie kam ich zuhause an.

Ich denke, Väter erleben denselben Schmerz. Erst vor kurzem unterhielt ich mich mit einem, der mir das bestätigte. Warum gehen Menschen davon aus, dass Kindern und Vätern eine räumliche Trennung zuzumuten ist, Müttern und Kindern aber nicht? Es ist und bleibt schwer, egal wie.

Die folgenden Fragen sind mir tatsächlich begegnet. Ich schreibe sie hier auf, weil ich transparent machen möchte, was Müttern begegnet, wenn sie sich entscheiden, wie ich es getan habe. Weil mich der Nido-Artikel sehr berührt hat und all die Kommentare darunter. Ich habe tatsächlich die naive Hoffnung, dass dieser Text ankommt und vielleicht ein bisschen wach macht. Dass er die Einstellungen etwas weicher macht, vielleicht sogar dazu führt, offener auf Dinge zu schauen, die wir auf Anhieb nicht verstehen oder in der Art selbst nicht leben würden. Ich möchte mit diesem Artikel auch anderen Müttern, die in der gleichen Situation sind, Mut machen. Denn zu diesem Thema gibt es noch nicht viele Anlaufstellen.

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Da ich Tinas offene Worte so toll fande und sie damit meine Meinung „die Kinder gehören zur Mutter – egal was passiert“, geändert hatte, wollte ich mehr über den Mensch der dahinter steckt erfahren und habe ihr ein paar Fragen gestellt:


Wie würdest du dich beschreiben?
In den letzten Monaten habe ich immer wieder festgestellt, dass meine Wahrnehmung sehr von der anderer Menschen abweichen kann. Was meine Wahrheit ist, ist nicht zwangsläufig die der anderen. Deshalb habe ich etwas Hemmungen, mich selbst zu beschreiben, weil ein anderer, der mich kennt, es vielleicht ganz anders sieht.
Ich versuch`s dennoch: Ich nehme mich als nachdenklichen, aber durchaus humorvollen Menschen wahr. Ich habe keinen riesengroßen Freundeskreis, aber denen ich näher stehe, bin ich sehr verbunden. Smalltalk liegt mir nicht und langweilt mich schnell. Ich kann gut reflektieren, was mich aber oft in Not bringt, weil niemals Ruhe in meinem Kopf ist.

Welches waren für dich die Hauptgründe dass die Kinder beim Papa wohnen bleiben?
Der Hauptgrund war, dass der Papa geäußert hat, dass er das auch gerne machen möchte und ich der Meinung bin, dass es sich damit um eine 50:50-Entscheidung handelt.
Hinzu kam, dass ich in die Nähe meiner Arbeit zog und die Kinder den Kindergarten hätten wechseln müssen. Besonders für die Große, die quasi kurz vor der Einschulung steht, hätte mich das sehr geschmerzt. So bleiben die Kinder in ihrem gewohnten Umfeld und müssen nicht Trennung und! den Umzug verkraften.

Wie oft sind die Kinder bei dir?
Ich hole die Kinder jeden Montag und jeden Freitag vom Kindergarten ab. Jedes zweite Wochenende schlafen sie bei mir. Und wir telefonieren jeden Tag. Mit der Großen geht das schon richtig gut, da erfahre ich auch ganz viel. Die Kleine mag manchmal nicht, sie weiß noch nicht so viel zu erzählen. Dann geben wir uns einfach nur Bussis und sagen uns Gute Nacht.

Wie gehen die Kinder mit dieser Situation um?
Gut. Das kann man wirklich nicht anders sagen. Es sind immer noch fröhliche, lachende und offene Kinder. Die Große fragt viel und ich antworte ihr so ehrlich und kindgerecht wie möglich. Es geht ihnen gut, das äußern sie selber. Aber sie sagen auch, wenn sie mal traurig sind. Und das ist okay und wichtig, dass sie es äußern.

Wie schwer ist dir die Umgewöhnung/Umstellung, die Kinder nicht mehr den ganzen Tag um dich zuhaben, gefallen?
Das alles ist noch ziemlich frisch. Erst Mitte Dezember bin ich umgezogen und habe gleichzeitig meine Wochenstundenzeit erhöht. Bisher habe ich viel organisiert und gearbeitet. Die übrige Zeit habe ich genutzt, um durchzuschnaufen. Erst langsam merke ich, dass ich ankomme, in dieser Wohnung, in der neuen Situation und bei mir. Meistens komme ich gut klar, ich weiß aber auch, dass es den Kindern gut geht. Das entspannt sehr.

Wie gehst du mit den Vorwürfen deines Umfeldes, das du die Kinder „einfach“ bei ihrem Papa lässt, um?
Es kommt darauf an: Wird so ein Gespräch mit Interesse und Wertschätzung geführt, höre ich mir gerne alles an und antworte auch offen. Es gibt aber leider viele Menschen, die es als Vorwurf an ihr eigenes Lebensmodell verstehen, wenn ein anderer einen anderen Weg geht, als sie selbst. Oft werden Gespräche dann unangenehm, verletzend und wertend. Das hat dann weder für mich noch für meinen Gegenüber einen Mehrwert, sondern es geht nur noch darum, dass der andere seinen Ballast auf mich abwirft. Mittlerweile erkenne ich das schnell und beende so ein Gespräch.

Werden die Kinder immer beim Papa wohnen bleiben, oder ist es möglich dass die Kinder irgendwann auch wieder ganz bei dir wohnen?
Nun, jetzt hatten die Kinder keine Wahl, sie sind zu klein, als dass sie ohne Loyalitätskonflikt eine Entscheidung hätten treffen können. Vielleicht ändert sich das mal, wenn sie älter sind. Es ist immer alles möglich, ich schließe nichts aus.

Gibt es sonst noch etwas zu dem Thema Wochenend Mutter, das dich beschäftigt oder du gerne los werden möchtest?
Mich haben aufgrund meines Blogbeitrags unglaublich viele Zuschriften erreicht. Von Müttern, die mir geschrieben haben, dass sie erleichtert seien, hätten sie geglaubt, ganz alleine zu sein. Von Töchtern und Söhnen, die bei Ihren Vätern aufgewachsen sind und mir versicherten, dass es ihnen gut gehe und alles okay war. Ich erhielt wahnsinnig viel Zuspruch und so viele haben sich bei mir bedankt, auch dafür, dass sie früher verurteilten und nun verstehen.
Das ist so viel mehr, als ich zu träumen wagte und ich möchte allen danken, dir mir mit Respekt begegnet sind.

 

Vielen Dank Tina für deine offenen Worte und das Interview. <3

Den ganzen Beitrag zu „Wochenend Mutter“ findet ihr auf Tinas Blog – klick.

Vater und Sohn

 

Was sagt ihr zu dem Thema? Wie würdet ihr entscheiden?
Hat ein Vater nicht das selbe Recht das die Kinder bei ihm wohnen, wie die Mutter?
Liebt er seine Kinder nicht genauso?
Ist es nicht unfair seine Kinder aus ihrem gewohnten Umfeld zu reissen, nur weil man sie bei sich haben möchte?
Ich bin auf Eure Meinungen sehr gespannt !!

Liebe Grüße
Jennifer

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Kommentare (12)

  1. Pingback: Wochenend Mutter - ein Interview mit Tina - Kinderglück - Der Familienblog

  2. Nina

    Ich bin ganz klar der Meinung, dass Mutter und Vater gleichstark lieben und auch die gleichen Rechte und Pflichten haben.
    Allerdings ist es so, dass sich Mütter häufig mehr um die Kinder kümmern. Ich meine auch in Beziehungen.
    Die Mütter arbeiten häufig Teilzeit oder garnicht, nehmen mehr und länger Elternzeit und damit ist es für das Kind meistens daran gewöhnt bei der Mutter zu sein.
    Väter haben dadurch eben häufiger nicht die Möglichkeit ihre Kinder nach einer Trennung neben dem Job zu versorgen.
    Ich finde beide Versionen in Ordnung, das müssen die Eltern in dieser schweren Situation gemeinsam entscheiden.

    Meine beruflichen Erfahrungen zeigen mir aber, dass sich Wochenendväter leider schnell zurück ziehen und sich eher weniger kümmern, so nach dem Motto : Wenn nicht ganz, dann garnicht.
    Wochenendmütter kümmern sich meistens deutlich mehr um ihre Kinder.
    Ist ja auch im Artikel zu lesen zusätzlich jeden Montag und Freitag zum 14-Tägigen Wochenende ist doch relativ viel…

    Antworten
  3. Katharina (Mama hat jetzt keine Zeit)

    Ich bin der festen Überzeugung, dass es keine pauschale Antwort auf die Frage „was ist das Beste für das Kind?“ gibt, sondern immer nur Einzelfallentscheidungen. Deshalb braucht es meiner Meinung nach mehr „Vorbildfamilien“, die vom Althergebrachten abweichen und das Ding durchziehen, das für sie am besten passt, denn die machen anderen wiederum Mut, genau das zu tun, was für sie richtig ist.

    Antworten
    1. Jennifer (Beitrag Autor)

      Du hast es genau auf den Punkt gebracht! Hier wurde entschieden wie es für die Kinder am besten ist – und das war die richtige Entscheidung!

      Antworten
  4. Frida

    Ein sehr schönes Interview – ich denke da muss die Gesellschaft einfach noch ein Stück weiter vorankommen mit der Gleichberechtigung. Ist doch toll dass Tina und ihre Familie einen guten Weg für alle gefunden haben 😉

    Antworten
    1. Jennifer (Beitrag Autor)

      Ja leider lebt die Menschheit noch in ihrem gewohnten Trott. Umso besser ist es das Mamas wie Tina ganz offen mit dieser Situation umgehen – so wird die „Wochenend Mama“ vielleicht irgendwann ganz normal angesehen wie eben der „Wochenend Papa“ auch.

      Antworten
  5. Kopfmurmel

    Das ist auch meine Hoffnung Jennifer. Danke für das Interview von Tina! Es zeigt nochmal einen emotionalen Einblick in dieses Gefühlsleben einer Wochenendmama. Ich selber bin auch eine Wochenendmama & gäbe es den Artikel von Tina nicht, hätte ich wohl noch nicht den Mut gefunden, meine Geschichte zu erzählen 🙂
    Liebe Grüße, Kopfmurmel

    Antworten
    1. Tina (vomwerdenzumsein)

      Wow, das lese ich erst jetzt. Was für eine schöne Rückmeldung für mich.

      Liebe Grüße
      Tina

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